Forschung

Die meisten Management-Herausforderungen unserer Tage sind im Kern zeitliche Probleme: KI beschleunigt Prozesse und verkürzt die Zeit, die Organisationen haben, um sich an ihre Umwelt anzupassen. Nachhaltigkeitsziele reichen weit über die Amtszeit eines jeden Vorstands hinaus. Und geopolitische Verwerfungen machen es zunehmend schwierig, in Vergangenem noch ein verlässliches Fundament für die Zukunft zu sehen. Besondere Bedeutung erfährt Zeit als Linse und Strategie auch angesichts der vielen, oft gegenläufigen Anforderungen, mit denen sich Organisationen heute konfrontiert sehen. Stabilität und Fluidität, Kontinuität und Innovation, Geschwindigkeit und Reflexivität, kurzfristige Reaktionsfähigkeit und langfristige Verantwortungen müssen gegeneinander abgewogen werden.

Zeitliche Perspektiven stehen daher im Zentrum meiner Arbeit. Zeit ist für mich dabei keine neutrale Kategorie, sondern eine bedeutende Dimension, in der sich Organisationen koordinieren und entwickeln, in der sie aber auch konkurrieren und bestehen müssen. Als wissenschaftliche Perspektive erlaubt mir dies einen besonders deutlichen Blick auf etwas, das ich organisationale Eigenzeit nenne: die spezifische Zeit, die eine jede Organisation durch ihre Routinen, Rhythmen und Horizonte schafft. Ihr praktisches Pendant nenne ich Temporal Design, also die Möglichkeit der bewussten Gestaltung von organisationalen Geschwindigkeiten und Sequenzen, Zeitallokationsmustern sowie nahen und fernen Zukünften. Temporal Design verleiht Führungskräften also die Fähigkeit, die vielfach verkannten Rhythmen und vorgezeichneten Trajektorien ihrer Organisationen klar zu erkennen, zu verstehen und zu verändern.

Gegenwärtig verfolge ich eine Reihe von Forschungsvorhaben, die sich um drei zeitgenössische Transformationen drehen, bei denen Zeit von herausragender Bedeutung ist: die KI-getriebene Beschleunigung organisationaler Prozesse; Nachhaltigkeitsbemühungen in den Bereichen Ernährung, Mobilität und Energie; das Management tiefer Unsicherheit, etwa bei der Klimarisikoversicherung und bei digitalen Disruptionen. Jede dieser Transformationen destabilisiert etablierte Zeitannahmen und -muster auf je eigene Weise und hebt dadurch verschiedene Modi und Praktiken des Temporal Design hervor. Methodisch arbeite ich vorwiegend mit interpretativen und prozessorientierten Ansätzen wie Ethnografie und longitudinalen Fallstudien, nicht zuletzt um gelebter Erfahrung sowie Veränderungen gerecht zu werden. Mit meiner Arbeit trage ich sowohl zu aktuellen wissenschaftlichen Debatten über Arbeit und Organisation bei als auch zu breiteren Diskussionen über die Möglichkeiten von Organisationen im Zeitalter von Krisen und Komplexität verantwortungsvoll und reflexiv zu handeln.

Über die letzten zwei Dekaden habe ich umfassende Kenntnisse in folgenden Bereichen erworben: Veränderungsmanagement · Organisationsentwicklung · Soziale Innovation · Nachhaltigkeitstransformation · Nachhaltigkeitsmanagement · Zeitgestaltung · Zeitmanagement · Zeithorizonte · Strategische Vorausschau · Strategischer Wandel · Flexible Arbeit · Hybride Arbeit · Teilzeitarbeit · Neue Arbeitsformen · Zukunft der Arbeit · Digitalisierung · Digitale Transformation · Beschleunigung · KI und Organisationen.